Sexkolumnistin ohne Sex – wie langweilig!

Von Helene Aecherli, 20. Juni 2014

Letzte Woche erhielt ich ein Email, das mich doch ziemlich nachdenklich stimmte. Es lautet folgendermassen:

Sehr geehrte Damen

ich finde es langsam schade, dass Sie eine Sexkolumnistin haben, die keine Lust mehr auf Sex hat. Früher hat die Rubrik noch Spass gemacht, in der letzten Zeit ist sie eher langweilig geworden. Es gibt hier unter Ihren Leserinnen wohl doch sehr viele, die Lust auf Sex haben und auch gerne dementsprechend interessante Kolumnen lesen würden.
Mit freundlichem Gruss

Ach! Zuerst war ich natürlich erschüttert, denn wer liest schon gerne, dass man langweilig geworden ist. Aber dann musste ich mir zähneknirschend eingestehen, dass die Leserbriefschreiberin möglicherweise nicht ganz Unrecht hat. Denn ja, ich hatte eine Zeitlang in der Tat eine Flaute. Sex interessierte mich kaum mehr. Sex war für mich banal und geheimnislos geworden, er hatte seinen Reiz verloren, langweilte mich nur noch http://sexsensibility.annabelle.ch/2013/08/30/what-the-fuck/.

Das ist jetzt zwar ein Jahr her, und die Flaute ist abgeklungen, so, wie die meisten Flauten irgendwann wieder abklingen, denn nichts bleibt für immer windstill, es sei denn, man ist tot. Aber vielleicht schwingt die Flaute trotz allem in meinen Texten noch ein bisschen nach. Vielleicht hängt die empfundene Langweile auch damit zusammen, dass ich in letzter Zeit zu wenig über das eigentliche „Kerngeschäft“ geschrieben habe, sondern über damit assoziierte Themen, wie Prostitution, dev-sexsensibility.annabelle.ch/2013/11/29/warum-verkaufen-frauen-ihren-koerper oder sexuelle Gewalt, http://sexsensibility.annabelle.ch/2013/09/20/rettet-die-rosen-rettet-die-kindsbraeute/.

Denn Sexualität, so, wie ich sie verstehe, ist ein unendliches Feld, das bestückt ist mit unendlich vielen Fazetten. Viele davon sind aufregend, prickelnd, hocherotisch, geil und orgiastisch; andere zum Schmunzeln, Ärgern, Toben, Kaputtlachen; wiederum andere sind finster, düster und unendlich grausam.

Es kommt immer darauf an, was einem wichtig ist, worauf man seinen Fokus richtet: Auf das neuste Online-Date, die erotische Algen-Massage, den Cyber-Sex, auf die Nöte von Prostituierten oder auf Kinderheiraten im Jemen.  Vielleicht gilt es noch vermehrt, das eine zu tun und das andere erst recht, verschiedene Themen auf einmal im Auge zu haben.  Vielleicht gelingt dies. Immerhin haben wir den Luxus, unseren Blick überhaupt auf verschiedene Dinge zu richten.

Und ja, im „Kerngeschäft“ ist einiges los. Ich komme gleich darauf zurück.

In diesem Sinne der Leserbriefschreiberin einen grossen Dank für ihre Zeilen!

 

 

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