Wer praktiziert eigentlich C-Dating?

Von Helene Aecherli, 21. Februar 2014

Beim C-Dating gehts um zwangslose Beziehungen, will sagen, um Sex-Dates. Die Firma C-Date soll allein in der Schweiz 500 000 registrierte Nutzer haben. Kann das sein?

Die auf einem PDF sorgfältig zusammengestellte Präsentation der Firma C-Date strotzt nur so vor Selbstbewusstsein: Die Plattform, die erotische Abenteuerer vermittelt, ist in 36 Ländern und 16 Sprachen verfügbar, hat 22 Millionnen Mitglieder weltweit, über 25000 Neuanmeldungen täglich, und 500 000 registrierte Nutzer in der Schweiz –  also, das heisst: eine satte halbe Million der acht Millionen Bewohnerinnen und Bewohner Helvetiens. Eine unglaublich hohe Zahl.
Die Firma begründet diese exorbitanten Ziffern wie folgt: Man habe, so ist dem PDF zu entnehm, eben eine sehr breite Zielgruppe, da man sich an alle Singles richtet, die das Bedürfnis nach einer zwangslosen Beziehung haben („zwangslose Beziehung “ ist gefettet), aber nicht gleich ans Heiraten denken; da man sich an alle Paare („Paare“ gefettet) richtet, die gemeinsam ihre Phantasien („Phantasien“ gefettet) ausleben möchten; da man den Trend der Zeit erkannt hat, dass unsere enttabuisierte Gesellschaft ein neues Erotik-Selbssbewusstsein („Erotik-Selbtsbewusstsein“ gefettet) erlangt hat – und die Bedürfnisse moderner Frauen („moderner Frauen“ gefettet) abdeckt. Es sei das Portal für die „Sex and the City Generation“.

Gut, „Sex and the City“ ist wohl selbst bei  der Sex and the City-Generation langsam passée (oder schaut sich noch jemand die DVDs an?) und was wirklich die Bedürfnisse der modernen Frauen sind, ist mir je länger je mehr selbst ein Rätsel. Aber gehen wir weiter in der PDF-Argumentation. C-Dater sind wie folgt kategorisiert:

Überinformierte Einsteiger, young experimental couples, pleasure parents, lover ladies, sex gourmets (mit den letzten beiden sind eher ältere Userinnen gemeint), cool cats und high performers.

Irgendwie grandios diese Kategorien, das muss ich neidlos eingestehen! Denn ich überlege mir natürlich sofort: Bin ich nun eine coole Katze oder vielleicht eher ein Sex-Gourmet? Essen tue ich ja schliesslich auch nur das Beste. Und trinken auch. Aber da ich noch kein „best ager“ bin, kann ich auch kein Sex-Gourmet sein. Hmm. Wie geht das auf? Na ja, egal. Denn das ist hier jetzt nicht der Punkt.  Vielmehr stellt sich die Frage: Wer sind denn all die, die c-mässig daten? Wer ist diese halbe Million, die sich miteinander zum Sex verabredet? Stecken hinter diesen Zahlen womöglich nichts als übermotivierte Geschäftsleute auf Kundinnenfang? Oder geschönte Nullen? Clevere Marketing-Kniffe? Oder ist da was Wahres dran?

Also, wer mehr weiss, casual datet und einschlägige Erfahrungswerte hat, möglicherweise sogar Statistiken über die eigenen unverbindlich-zwangslosen Treffen, bitte hier melden! Unbedingt! Ich warte.

 

Stichworte

Kommentare