Good Vibrations

Von Helene Aecherli, 8. Februar 2014

Ich hätte nicht gedacht, dass man über Vibratoren etwa Neues sagen kann. Aber man kann.

Man möge mir dieses ziemlich unverhohlene Product-Placement verzeihen, aber diese Dinger jagen mir ein ähnlich amüsiertes Grinsen ins Gesicht, wie einst die lendenbeschürzten  Chippendales (ja, die männlichen Stripper) beim Interview hinter der Bühne eines Schweizer Provinztheaters. Und das meine ich durchaus positiv. Die Dinger heissen „The Frenchman“, „The Firmeman“, „The Millionaire“ und „The Tennis Coach“, sind etwa zehn Zentimeter gross, himbeerrot, hellblau, fliederfarben und hellgelb,  liegen federleicht in der Hand und sind aus buttersamtweichem Silikon. Es sind Sexspielzeuge für Frauen, Vibratoren der neusten Generation, wie mir der Bündner PR-Mann bei der Präsentation betont pragmatisch erklärte. Sie seien von zwei schwedischen Ingenieuren entworfen, würden von Singapur aus vertrieben und – und das ist in der Tat etwas Neues – auch in Apotheken erhältlich sein, womit die Hürde enfalle, sich zum Sextoy-Kauf in einen Sexshop begeben zu müssen.  Letzeres finde ich zwar eher bedauerlich, denn Erotikshops sind wunderbar anrüchige Orte, wo man gefahrlos (denn die ausgestellten Utensilien beissen nicht) die Subkultur der Erotika erkunden kann und Sachen sieht, von denen man vorher nicht gewusst hatte, dass sie es sie gibt, wie Fingervibratoren, zum Beispiel, oder Bondage-Saugnäpfe für Kacheln oder Kühlerhauben. Will man sich denn nun zum Aspirin und Sunblock noch ein Sextoy kaufen?

Aber egal, denn wir waren ja eigentlich bei den neuen Vibratoren. Und die wirken bei genauerem Hinsehen trotz ihrer Schönheit fast ein bisschen anachron: sie sind batteriebetrieben, was im Zeitalter der aufladbaren Geräte eher anstrengend ist, denn man muss a) die richtige Batteriengrösse finden und b) stets daran denken, Ersatzbatterien auf Lager zu haben; zudem verfügen sie weder über einen Touchscreen, noch über acht verschiedene Vibrationsmodi, noch können sie via Fernbedienung aktiviert werden.  Doch – und jetzt kommts: Noch nie habe ich wundervollere Gerätebeschreibungen gelesen. So heisst es etwa beim Frenchman: „Who know what he’s saying, but does it matter? This sexy linguist has got you locked in his gaze and soon you’ll be delightfully fluent in his native tongue.“ Und die Kunst des Fireman wird so beschrieben: „Is it hot in here, or is it just you? Well, the house may be burning but this helmeted stud isn’t afraid of an intense situation, He’s strong. He’s brave. And, oh my, he’s going to heat you up and leave you smoldering.“

Witzig, ein bisschen unverschämt, ziemlich sexy. Ja, ich weiss, weibliche Reaktionsmuster sind manchmal simpel, aber die Worte allein haben uns dazu verführt, diese Silikonjungs zu testen. Ob die jedoch halten, was sie versprechen, wird sich zeigen. Immerhin: Der Frenchman hat schon erste Reaktionen provoziert. „What does  the Frenchman do so well? And why is there no Dutchman?“, fragt ein Freund brüskiert. Gemach, gemach, die Kollektion wird wohl je nach Bedarf und Archetypus erweitert werden können.  Vielleicht gibts dann irgendwann neben dem Holländer auch den Offizier, den Gentleman, den Jäger und den Entführer, und ja, vielleicht auch den Italiener und den Schweden.  Aber erst mal die Tests, dann sehen wir weiter.

Erste Resultate werden in einer Woche vorliegen.

 

Vib2

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