Let’s talk about Sex, Baby!

Von Helene Aecherli, 31. Mai 2013

Wir wissen es: Kaum etwas ist schwieriger, als über Sex zu reden – geschweige denn mit dem eigenen Partner.  Dem will das Fragespiel „SexKiste der Liebe“ Abhilfe schaffen.

Spiele haben mich nie interessiert, und Fragespiele sind mir immer auf die Nerven gegangen, weil ich mir eingestehen musste, dass ich nichts weiss. Aber diese persönlichen Vorbehalte sollen mich nun keineswegs davon abhalten, hier ein Fragespiel der ganz anderen Art zu präsentieren: Die „SexKiste der Liebe“, eine rosarote Kartonbox, gefüllt mit 46 Karten und 500 Fragen. Sie sollen, so die Autoren, Paare ins Gespräch über ihr Liebesleben bringen und das Tor zu grösserem sexuellem Selbstbewusstsein öffnen. Ein Kick für den Verbalsex. Angesichts des Schweigens in den Schlafzimmern, ein durchaus ehrenvolles Unterfangen.

Die Karten sind auffallend hübsch gestaltet (Fotos von textilen Spitzen) und in eben 46 unterschiedliche Kapitel und den dazugehörenden Fragen unterteilt: Auf der Karte „Über Sex reden“ finden sich zum Beispiel Themen wie: „Was brauche ich, damit es mir leicht fällt, über unsere Sexualität zu reden?“ oder: „Was hindert mich daran, dir meine sexuellen Gedanken, Wünsche, Hoffnungen und Ängste mitzuteilen?“ Die Karte „Erotisches“ stellt folgendes zur Debatte: „Was brauche ich von dir, um mich begehrenswert und attraktiv zu fühlen? Und was brauche ich von mir?“ oder: „Was erotisiert mich, das ich gleichzeitig moralisch, ethisch oder ästhetisch ablehne?“ (nicht uninteressant, finde ich). Und die Karte „Unterschiedliches Begehren“ wirft sensible Punkte auf: „Wann fühle ich mich bedrängt? Wann fühle ich mich abgelehnt? Wie gehen wir mit diesen Gefühlen um?“ oder: „Wie lassen wir uns gegenseitig spüren, dass wir uns trotz unterschiedlichem sexuellen Begehren lieben?“

Also, wenn ich mir vorstelle, dass mir mein Partner mit einem aufmunterndem Lächeln und einem „komm Schatz, lass uns gegenseitig in unsere Untiefen vorstossen“, ein paar Karten in die Hand drückt, zucke ich unangenehm berührt zusammen. Das hat bei mir denselben Effekt wie Räucherstäbchen und elektronische Entspannungsmusik und ruft  schon rein assoziativ allergische Reaktionen hervor. Es ist aber durchaus denkbar, dass ich mir  einige dieser Fragen zu Herzen nehme und sie bei Gelegenheit so ganz nebenbei anbringe, sei es bei einem Mann oder in einer frivolen Tischrunde nach Mitternacht –  und dabei so tue, als wäre ich ganz von alleine darauf gekommen. Denn manche Fragen stossen die Gedanken tatsächlich an.

Und für alle, die auf Fragespiele stehen, hier die Details: Kristine Pfister/Claude Jaermann: Sexkiste der Liebe. Verlag Hirschi + Troxler, 38 Franken. Die SexKiste ist in Buchhandlungen oder auf www.beziehungskiste.ch erhältlich. Die Fragen gibts auch als iPhone- und iPad-App, www.sexkisteapp.ch

Und klar: Feedback ist erwünscht. Also, wer sich diesem Spiel gestellt und dabei neue Erkenntisse gewonnen hat, bitte melden.

 

 

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